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Weinbrand oder muss ich schon Falten haben um diese Spirituose trinken zu können

By 4. November 2018 No Comments

Weinbrand. Eine Spirituose die man eher aus Opas Schnapsschrank als von hippen Parties kennt. Ein Absacker und kein Fetenkracher. Unendlich süß und eine dunkelbraune Farbe. Eher alt als jung und mit eingestaubtem Image. Wir lieben ihn jedoch und glauben fest daran, dass der gute, alte Weinbrand das Zeug zu mehr hat. Deshalb holen wir den Staubwedel raus und polieren das Ansehen der Spirituose wieder auf. Denn zur kälteren Jahreszeit und dem gemütlichem Kaminofen passt er schon ziemlich, ziemlich gut.

 

Weinbrand – was ist das?

Zunächst: Auf Englisch heißt Weinbrand Brandy. Und Cognac ist ein Weinbrand, aber nicht umgekehrt. Klingt verwirrend, ist aber so. Der Herstellungsprozess der Spirituosen ist zwar der gleiche, allerdings ist der Name Cognac seit einiger Zeit herkunftsgeschützt. Es dürfen also nur solche Destillate Cognac genannt werden, die aus der gleichnamigen Region Frankreichs stammen. Übrigens: Wer sich in Südamerika schon einmal eines kühlen Piscos erfreut hat, der hat auch da schon Bekanntschaft mit Weinbrand gemacht. Dieser ist nämlich nichts anderes als die lateinamerikanische Version des deutschen Brandes und des französischen Cognacs.

 

Weinbrandherstellung

Jetzt aber mehr zur Herstellung. Weinbrand besteht, wie der Name schon sagt, aus der Grundzutat Wein und darf nach EU Richtlinien den kompletten Alkohol auch nur aus diesem beziehen. Hier liegt auch schon der Hauptunterschied zu den Tresterbränden, wie beispielsweiße Grappa. Diese werden nicht aus Wein sondern aus dem Trester, also ein Gemisch aus Schalen, Trauben und Kernen, welches bei der Weinproduktion anfällt, gebrannt. Man könnte also überspitzt formulieren, dass Grappa aus den Abfallprodukten von Wein hergestellt wird. Doch zurück zum Brandwein. Während der Alkoholgehalt des Grundweines mindestens acht Volumenprozent betragen muss, beläuft sich dieser bei dem fertigen Produkt auf mindestens 36 Volumenprozent. Wenn man die Spirituose mit der Bezeichnung „Deutscher Brandwein“ deklarieren möchte, sogar zwei Prozent mehr. Um zu verstehen, woher dieser hohe Alkoholgehalt kommt, wirft man am besten einen Blick auf das Brennverfahren. Hierzu wird der Wein in einem Wasserbad oder durch Dampf in der sogenannten Brennblase erhitzt. Durch die Erwärmung verdampfen Wasser, Alkohol und Aromen, steigen also nach oben und von dort direkt in das anschließende Rohr, welches die eigentliche Brennblase mit einem zweiten Behälter verbindet. Das Rohr wird gekühlt, wodurch sich die Stoffe wiederum in ihren ursprünglichen Aggregatszustand zurück verwandeln, sie kondensieren also und werden wieder flüssig. Was dann übrig bleibt ist viel Alkohol, einige Aromastoffe und wenig Wasser. Da bei Alkohol die Siedetemperatur gegensätzlich zu Wasser bei rund 79 Grad liegt, verdampft dieser auch schneller und ist somit im Endprodukt konzentrierter. Die Brennblase wird daher nur so stark erwärmt, dass sich geradeso der Alkohol, aber noch nicht das Wasser verflüchtigen kann. Ein großer Teil des Wassers bleibt in der Blase zurück und der Wein wurde somit gewissermaßen aufgespalten. Dieses Brennverfahren wird bei Weinbrand normalerweise zwei Mal angewendet. Den ersten Durchlauf nennt man Rauhbrand, den zweiten Feinbrand. Der zwischenzeitliche Alkoholpegel liegt nach diesen beiden Verarbeitungsschritten bei sage und schreibe 70, teilweise sogar über 80 Prozent. Wenn die Brennvorgänge abgeschlossen sind, wird die Spirituose, ähnlich wie Wein, in Eichenfässern mit einem Fassungsvermögen von maximal 1000 Liter für mindestens ein Jahr gelagert und gereift. Wir verwenden für unseren Weinbrand ein 500 Liter Eichenfässer und lassen die Flüssigkeit rund 48 Monate darin reifen. Den gesetzlichen Vorgaben zufolge dürften wir unseren Weinbrand daher sogar als „Deutschen Weinbrand“ betiteln. Es gibt auch alte Brände, die mehrere Jahre, gar Jahrzehnte in den Fässern verweilen. Dies freut dann besonders die Feinschmecker und Experten. Auch hier gilt ähnlich wie beim Wein, je länger die Spirituose im Holzkontakt steht, desto mehr Aromen werden an diese abgegeben. Mit den Aromen ist das allerdings eine schwierige Sache. Laut Gesetz dürfen diese dem Weinbrand nicht zusätzlich von außen zugeführt werden. Maßgeblich für den Geschmack ist also vor allem die Qualität des Grundweins, welcher weiterverarbeitet wird. Weitere Aromen entstehen durch chemische Reaktionen bei der Destillation und bei der Reife. Zugelassen ist lediglich die Lagerung des Destillats auf getrockneten Pflaumen, Mandeln und Walnüssen, sowie in sehr geringer Dosis der Zusatz von bestimmten Zuckerarten. Wir verzichten bei unserem Destillat jedoch auf jeglichen Aromazusatz und fokussieren uns auf den natürlichen Geschmack des Weinbrandes. Doch neben dem Aroma verändert sich bei der Lagerung im Holzfass noch eine weitere, wichtige Eigenschaft des Produktes: der Alkoholgehalt. Der Alkohol verflüchtigt sich über die Zeit und zusätzlich wird das hochprozentige Destillat mit Wasser verdünnt, sodass im verkaufsfertigen Produkt noch rund 40 Prozent enthalten sind. Außerdem hängt auch die Färbung des Getränks maßgeblich von der Beschaffenheit des Fasses ab. Jedes Fass wird individuell getoastet, also nach den Vorstellungen des Kellermeisters geröstet. Dies bedeutet, dass die Innenseite des Fasses im wahrsten Sinne des Wortes angebrannt wird. Je stärker die Toastung, desto mehr Röstaromen werden abgegeben und desto intensiver wird auch die Färbung des Weinbrands. Doch Vorsicht! Oft wird durch den Gebrauch von Zuckercouleur die Farbintensivität auch im Nachhinein noch erhöht und das Auge hierdurch ausgetrickst. Für unseren Weinbrand verwenden wir Fässer mit sehr leichter Toastung, um den typischen Geschmack des Destillats nicht allzu sehr zu verändern. Während der mehrjährigen Lagerung hat der Weinbrand genügend Zeit, sich den Aromen des Holzes anzunehmen, behält aber dennoch seine ursprüngliche, leicht bräunliche Farbe und ist daher völlig naturbelassen, ohne jegliche zugesetzte Farbe und Süße.

 

Weinbrand – how to drink it

Serviert wird ein Weinbrand zumeist in den typischen Cognac-Gläsern, pur auf einem Eiswürfel mit Freunden im gemütlichen Wohnzimmer. Allerdings ist momentan vor allem bei der jüngeren Generation der Trend zu vernehmen, auf die alten Schwenker zu verzichten und die Edelspirituose als alkoholische Grundlage neuer Cocktailkreationen zu nutzen. In der Barszene wird momentan stark diskutiert, was das Trendgetränk Gin in Zukunft ablösen wird. Einige Barkeeper spekulieren stark auf Rum, welcher im Geschmacksprofil dem Weinbrand stark ähnelt. Wir liegen so gesehen also voll im Trend. Da der Weinbrand in etwa die gleiche Menge an Alkohol beinhaltet, wie die typischen Rumsorten, die zum Mixen verwendet werden, ist er eine sehr gute Alternative in Caipirinha, Mojito und co. Und wer es etwas ausgefallener mag, der kann sich an den zahlreichen neuen Kreationen versuchen. Auch wir haben uns darüber Gedanken gemacht, wie wir unseren Weinbrand am liebsten trinken und euch unsere besten Cocktailrezepte hier zusammengestellt –  schmecken super und bringen etwas Abwechslung in das Getränkeportfolio am Wochenende;-). Doch ganz egal, wie ihr euren Weinbrand letztendlich genießt, eine Sache muss stets beachtet werden: die passende Trinktemperatur. Man sollte den leckeren Tropfen weder zu kalt noch zu warm zu sich nehmen. Bei zu niedrigen Temperaturen können die Aromen nicht komplett entfaltet werden. Ist die Temperatur zu hoch so steigt einem sofort der sehr dominante Alkoholgeruch in die Nase. Die optimale Genusstemperatur liegt bei rund zwanzig Grad Celsius mit einem zusätzlichen Eiswürfel im Glas.

 

Fazit

Weinbrand ist also eine Spirituose, die auf der Basis von Wein hergestellt wird. Ausschlaggebend für die Qualität des Weinbrandes ist die Qualität des verarbeiteten Weines. Sein altes Image hat er zu Unrecht, denn er kann viel mehr als ihm bisweilen zugetraut wird und ist daher auch auf Parties auf alle Fälle universell einsetzbar. Um die obenstehende Frage abschließend zu beantworten: Nein, Weinbrand ist nicht nur was für Oldies! Manchmal sollte man eben seine Gewohnheiten überwinden und zu neuen, alten Getränken greifen. Dein Gaumen und Spürnäschen werden sich bedanken!

Branntstiftling Birne

Zutaten

  • 2 cl Birnensirup oder -saft
  • 4 cl Spürnasen Weinbrand
  • 2 cl gekühler Salbeitee
  • 1 cl Granatapfelsirup
  • 3 Korianderblätter
  • 5 Basilukumblätter

Koriander- und Basilikumblätter zwischen den Fingern zerreiben, mit Sirup, gekühltem Salbeitee, Saft und Weinbrand in den Shaker geben. In’s Glas füllen, mit Crushed Ice auffüllen – fertig.

 

Branntstiftling Cassis

Zutaten

  • 2 cl Cassissirup oder -saft
  • 4 cl Spürnasen Weinbrand
  • 1 cl  Granatapfelsirup
  • 10 Korianderblätter
  • 2-3 Basilikumblätter

Koriander- und Basilikumblätter zwischen den Fingern zerreiben, mit Sirup, Saft und Weinbrand in den Shaker geben. In’s Glas füllen, Crushed Ice hinzufügen – fertig.

Branntstiftling Himbeere

Zutaten

  • 2 cl Himbeer
  • 3 cl Spürnasen Weinbrand
  • 1 Spritzer Limettensaft
  • 10 Korianderblätter
  • 2-3 Basilikumblätter

Koriander- und Basilikumblätter zwischen den Fingern zerreiben, mit Sirup, Saft und Weinbrand in den Shaker geben. In’s Glas füllen, Crushed Eis hinzufügen – fertig.

 

Artikel von Spürnase Caro