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Weinlese 2017 oder In den Weinberg, fertig, los!

By 25. Oktober 2018 No Comments

Für einige Winzer ist der Startschuss schon vor zwei Wochen gefallen, für andere geht es in diesen Tagen los. Die Weinlese 2017. Der Höhepunkt eines jeden Weinjahres steht unmittelbar vor der Tür. All die Mühe und Sorgfalt scheinen sich dieses Mal wirklich ausgezeichnet zu haben, denn auch das Wetter hat – dem Frost und Hagel zu trotz –  zum großen Teil mitgespielt. Ein einfaches Jahr war es dennoch nicht.

In Württemberg, Rheinhessen und im Rheingau haben einige Winzer bereits Mitte August die ersten Ernten eingefahren. Während der Riesling noch ein Weilchen in der Sonne gedeihen darf, wurden frühreife Sorten wie Solaris, Ortega und Bacchus bereits gelesen. Auch für die Region Baden wurde schon vor einigen Wochen ein früher Erntestart prognostiziert. Den Anfang machen Sorten wie Müller Thurgau und jene, die zu Sekt weiter verarbeitet werden bereits in den ersten Septemberwochen – rund sieben bis vierzehn Tage früher als sonst. Zudem wurde pünktlich zur zweiten Monatshälfte in der Pfalz am 16. August mit der Lese für den Federweißen begonnen. Momentan wird der gesamtdeutsche Ertrag auf rund 2,1 Millionen Hektoliter, also 210 000 000 Liter Wein geschätzt. Zahlen, welche dem langjährigen Durchschnittswert von 2,2 Millionen Hektoliter trotz der kältebedingten Strapazen in der ersten Jahreshälfte nur geringfügig abweichen.

Die Weinlese und der Frost im Frühjahr

Frostschäden an der Rebe

Allerdings hat das Väterchen Frost zu Beginn des Jahres den Weinbergen ganz schön zugesetzt. Vor allem im Frühling ist dieser der größte Feind der Rebe. Verwirrt er sich, wie im vergangenen April, bei seinen nächtlichen Ausflügen in die Weinberge, so erfrieren die Knospen, was wiederum zu deutlichen Ertragsreduzierungen führen kann. Erschwerend kam hinzu, dass die Reben durch den extrem milden März bereits ausgetrieben haben, was den Frostschaden natürlich noch verstärkt. In manchen Regionen beklagt man daher eine Halbierung des Ertrags. Dies führt wiederum dazu, dass die restlichen Trauben weitaus schneller reifen als gewöhnlich, da die gesamte Energie des Rebstocks sich auf die verbliebenen Früchte verteilt. Momentan wird davon ausgegangen, dass der Deutsche Weinbau durch die Frostschäden insgesamt einen Ertragsrückgang von rund zehn Prozent erleidet, denn nicht jeder Winzer einer Region spürt die Auswirkungen gleich stark. Genaueres über die tatsächlichen Erträge kann aber erst nach der Lese gesagt werden. Höher gelegene Rebstöcke sind von Kälteeinbrüchen nicht so sehr betroffen wie die Reben am Fuße des Berges. Generell kann ein Grad unterschied schon sehr viel ausmachen. Daher schützen sich viele Winzer und Obstbauern mit Heißluft-Gebläsen oder sogenannten Frostfakeln gegen die Temperatureinbrüche. Was aussieht wie ein atemberaubendes Naturspektakel ist allerdings eine sehr kostenintensive Methode, die Reben vor dem Erfrieren zu bewahren. In Österreich wurden dieses Jahr besonders viele Fackeln in den Weinbergen verteilt, um so schlimme Frostschäden zu vermeiden. In einigen Regionen sah man auch Hubschrauber tief über den betroffenen Weinbaugebieten kreisen. Auch hier soll die Luftverwirbelung dazu beitragen, die Temperaturen zu erhöhen und somit die Ernte zu schützen.

Die Weinlese und die sommerlichen Strapazen

Trotz des eher harten Starts, blühten die ersten Reben bereits Anfang Mai, circa zwei Wochen vor dem langjährigen Mittel. Ab diesem Zeitpunkt braucht eine Traube circa 100 Tage, bis sie reif genug für die Lese ist. Daher konnte man bereits am Anfang des Sommers mit einer frühen Lese rechnen – vorausgesetzt natürlich, das Wetter spielt den Rest des Sommers mit. Weitaus schlimmer als der Frost, zumindest aus Sicht der gesamten deutschen Landwirtschaft gesehen, sind nämlich lange Dürreperioden. Wasser ist für das Wachstum der Rebe essentiell und der Boden liefert der Pflanze die benötigten Nährstoffe. Bleibt der Regen aus, so können die Trauben nicht weiter wachsen, verdorren im schlimmsten Fall. Denn dann ziehen sich die Reben die Nährstoffe aus den Trauben um überleben zu können und so kommt dann eins zum anderen. Durch maschinelle Bewässerungssysteme, die sogenannte
Tröpfchenbewässerung, kann ein Winzer diesem Problem teilweise Abhilfe verschaffen und die Reben auf unnatürliche Weise bewässern. Hierdurch wird zwar die Oberfläche einigermaßen feucht gehalten, allerdings gelangt das Wasser oft nicht bis zu den Wurzeln der Reben – ein richtig gesunder Regen ist eben auf keinster Weise zu ersetzen. Diesen Sommer blieb die große Trockenheit jedoch zur Freude eines jeden Landwirts aus. Allerdings ist auch das Gegenteil, nämlich zu viel Feuchte durch Niederschlag nicht gut. Eine hohe Feuchtigkeit fördert das Wachstum von Pilzen, was vor allem den Bio-Winzern zu schaffen macht, da einige Pilze kaum durch natürlich vorkommende Düngemittel zu bekämpfen sind. Doch auch dieses Szenario blieb in diesem Jahr glücklicherweise aus. Dafür hatten einige Regionen im Juli mit Hagel zu kämpfen. Auch dieser kann dem Winzer einen Strich durch die Weinlese machen und in den schlimmsten Fällen sogar das gesamte Erntegut ruinieren. Kommt der Hagel auf, wenn die Trauben bereits gereift sind, zerstören die großen Hagelkörner die Rebstöcke und die Frucht. Letztere faulen daraufhin und die Trauben werden ungenießbar. Zudem kann ein Hagelsturm die Reben so beschädigen, dass dies auch Jahre später noch zu merken ist. So schlimm war es dieses Jahr zum Glück nicht und die meisten Weinberge haben den Hageleinbruch im Juli gut überstanden. Um dieses Risiko jedoch auch langfristig zu umgehen, schützen sich mittlerweile einige Landwirte mit speziellen Hagelversicherungen gegen diese Extremwitterung. Diese sind jedoch nicht gerade erschwinglich.

Und übrigens: laut dem Deutschen Weininstitut beträgt die Mindestanforderung der Reben rund 1300 Sonnenstunden pro Jahr und eine jährliche Niederschlagsmenge von 400 bis 500 Millimeter. Zudem bedarf es einer Mindesttemperatur von 15 Grad Celsius während der Rebblüte, sowie rund 18 Grad während der Vegetationszeit.

Der Wettereinfluss auf die Verschiebung der Klimazonen

Das Wetter spielt im Weinbau also eine zentrale Rolle und ist maßgeblich am Ausgang der Ernte beteiligt. Dabei hat die Witterung nicht nur Einfluss auf den einzelnen Weinberg und die Qualität eines jeden Jahrgangs, sie prägt in gewisser Maßen auch ganze Klimazonen. Betrachtet man den Einfluss vom Wetter auf Wein von der Makroebene, so stellt man ohne großes Vorwissen fest, dass in einer jeden Weinbaunation aufgrund ihrer klimatischen Gegebenheiten bestimmte Trauben besonders gut gedeihen. Denn nicht umsonst wachsen in südlichen Weinbaugebieten wie auf Sizilien und in Spanien andere Rebsorten als an der vergleichsweise eher kalten und regenreichen Mosel. So ist Riesling beispielsweiße kälteresistenter und eignet sich gut für den Anbau in den deutschen Weinregionen. Andere Rebsorten wie Grenache brauchen überdurchschnittlich viel Sonne und Trockenheit, womit wir hier nicht dienen können. Dennoch bleibt auch hier der Einfluss der Klimaerwärmung nicht aus. Die Grenze zwischen dem trockenen, mediterranen Klima Südeuropas und dem eher humiden, kalten Klimas unserer Breitengrade verschiebt sich zunehmend Richtung Norden. Daher werden in Fachkreisen zunehmend Stimmen laut, welche behaupten, der Deutsche Riesling werde in ein paar Jahrzehnten in Skandinavien anstatt in unseren 13 Weinbaugebieten angebaut. In Zukunft müssen sich die deutschen Landwirte auf deutlich heißere Sommer einstellen, weshalb einige Deutsche Winzer mittlerweile Sorten aus Südfrankreich in ihr Wein-Repertoire aufgenommen haben, da diese in der Zwischenzeit auch hierzulande gut gedeihen. Vor wenigen Jahrzehnten wäre dies noch undenkbar gewesen.

Wir sehen also: Die auf die Anforderung der Rebsorten abgestimmte Witterungsbedingungen sind für das Gelingen des Weines unabdinglich. Ein guter Winzer kann zwar viele wetterbedingten Qualitätseinbußen durch sein geschicktes Handwerk wieder begradigen, dennoch sind ihm bei zu starken Wetterextremen die Hände gebunden. Und so muss er jedes Jahr aufs Neue in Mutter Natur vertrauen – dieses Jahr scheint sie es jedoch gut mit ihm gemeint

Und übrigens: laut dem Deutschen Weininstitut beträgt die Mindestanforderung der Reben rund 1300 Sonnenstunden pro Jahr und eine jährliche Niederschlagsmenge von 400 bis 500 Millimeter. Zudem bedarf es einer Mindesttemperatur von 15 Grad Celsius während der Rebblüte, sowie rund 18 Grad während der Vegetationszeit.

Der Wettereinfluss auf die Verschiebung der Klimazonen

Das Wetter spielt im Weinbau also eine zentrale Rolle und ist maßgeblich am Ausgang der Ernte beteiligt. Dabei hat die Witterung nicht nur Einfluss auf den einzelnen Weinberg und die Qualität eines jeden Jahrgangs, sie prägt in gewisser Maßen auch ganze Klimazonen. Betrachtet man den Einfluss vom Wetter auf Wein von der Makroebene, so stellt man ohne großes Vorwissen fest, dass in einer jeden Weinbaunation aufgrund ihrer klimatischen Gegebenheiten bestimmte Trauben besonders gut gedeihen. Denn nicht umsonst wachsen in südlichen Weinbaugebieten

wie auf Sizilien und in Spanien andere Rebsorten als an der vergleichsweise eher kalten und regenreichen Mosel.

Weinlese 2017: Der Vollernter bei der Arbeit

So ist Riesling beispielsweiße kälteresistenter und eignet sich gut für den Anbau in den deutschen Weinregionen. Andere Rebsorten wie Grenache brauchen überdurchschnittlich viel Sonne und Trockenheit, womit wir hier nicht dienen können. Dennoch bleibt auch hier der Einfluss der Klimaerwärmung nicht aus. Die Grenze zwischen dem trockenen, mediterranen Klima Südeuropas und dem eher humiden, kalten Klimas unserer Breitengrade verschiebt sich zunehmend Richtung Norden. Daher werden in Fachkreisen zunehmend Stimmen laut, welche behaupten, der Deutsche Riesling werde in ein paar Jahrzehnten in Skandinavien anstatt in unseren 13 Weinbaugebieten angebaut. In Zukunft müssen sich die deutschen Landwirte auf deutlich heißere Sommer einstellen, weshalb einige Deutsche Winzer mittlerweile Sorten aus Südfrankreich in ihr Wein-Repertoire aufgenommen haben, da diese in der Zwischenzeit auch hierzulande gut gedeihen. Vor wenigen Jahrzehnten wäre dies noch undenkbar gewesen.

 

Wir sehen also: Die auf die Anforderung der Rebsorten abgestimmte Witterungsbedingungen sind für das Gelingen des Weines unabdinglich. Ein guter Winzer kann zwar viele wetterbedingten Qualitätseinbußen durch sein geschicktes Handwerk wieder begradigen, dennoch sind ihm bei zu starken Wetterextremen die Hände gebunden. Und so muss er jedes Jahr aufs Neue in Mutter Natur vertrauen – dieses Jahr scheint sie es jedoch gut mit ihm gemeint zu haben :-).

Ein Artikel von: Spürnase Caro