Blog

Weinverkostungen oder: Wie schmecke ich endlich die Maracuja in meinem Grauburgunder

By 25. Oktober 2018 No Comments

Wein. Das Gold der Mosel und des Pfälzers liebstes Kind. Laut Experten schmeckt der edle Tropfen nach reifem Obst, knackigen Äpfeln oder schwarzem Pfeffer. Er ist nicht lecker, sondern anmutend und unendlich spannend. Für dich hingegen schmeckt Wein bisweilen einfach nur nach Traube und dein Versuch das Weinglas stilvoll zu schwenken sieht eher aus wie ein gerade noch geglückter Balanceakt? Kopf hoch, Hilfe naht!

Weinverkostung, das ist ein Erlebnis mit allen Sinnen. Oder sagen wir mit fast allen. Außer dem Gehör sind tatsächlich alle anderen Sinne bei der Weinverkostung eingebunden. Die richtige Abfolge für eine Weinprobe #likeasommelier erfolgt in folgenden Schritten: Sehen, riechen, schmecken, fühlen. Wobei die letzteren beiden gleichzeitig ablaufen. Ganz genau genommen ist natürlich auch das Gehör nicht ganz außen vor, denn beim Eingießen spielen die Geräusche – ähnlich wie beim Chips essen – sicherlich auch eine Rolle. Aber besinnen wir uns auf das Wesentliche.

 

Weinverkostungsschritt #01: Sehen

Wie auch bei Begegnungen mit Personen ist der erste Eindruck beim Wein entscheidend. Wie sieht der Inhalt im Glas aus? Glasig? Dunkel? Gold? Die Färbung des Glasinhalts kann ganz schön viel über seine Charaktereigenschaften sagen. Wird ein Weißwein beispielsweiße frisch abgefüllt, so ist er zumeist sehr helltönig. Je länger die Weißweine jedoch in der Flasche oder im Fass reifen, desto goldener wird die Färbung. Dabei ist die Hauptursache für die Farbveränderung die Oxidation des Weines mit der Luft – so entwickelt er sich über die Zeit von durchsichtig zu einem kräftigen goldgelb. Zudem ist die Traubenreife am Erntezeitpunkt von Bedeutung. Je länger die Trauben an der Rebe reifen, desto intensiver ihre Färbung. Weißweine, die im Holzfass lagern oder besonders viel Süße besitzen, sogenannte Dessertweine, siedeln sich ebenfalls im goldgelben Farbspektrum an. Wer jetzt allerdings denkt, dass dieses Prinzip ebenso auf Rotweine anzuwenden ist, der wird an dieser Stelle leider enttäuscht. Hier läuft das Prinzip genau andersrum ab. Mit zunehmendem Alter verliert der Rotwein an Farbe. Seine kräftige Färbung verdankt der Wein neben dem Reifegrad der Traube vor allem der Dauer des Kontakts von der Maische mit der Schale. Am besten sieht man solche Unterschiede in der Farbgebung wenn man das Weinglas vor ein weißes Papier hält. So lenkt der Hintergrund nicht ab und die Farbverläufe kommen noch besser zur Geltung. Also: Am Mythos, dass die Farbe des Weines etwas über seine Qualität aussagt ist Quatsch. Vielmehr sagt sie etwas über den Reifegrad, die vorliegende Rebsorte und die verwendeten Fässer aus, entscheidet aber nicht über gut oder schlecht.

 

Weinverkostungsschritt #02: Riechen

Weinverkostung: Ohne den Geruchssinn läuft bei einer Verkostung gar nichts.

An diesem Punkt solltest du dein Spürnäschen einmal tief in dein Weinglas stecken und deiner Fantasie bei der Beschreibung des Geruches freien Lauf lassen. Als Anfänger lohnt es sich, dabei die Augen zu schließen, um nicht von der Umgebung abgelenkt zu werden. Zuvor solltest du das Glas ein wenig schwenken, sodass der Wein genügend Kontakt mit der Luft bekommt. Doch nun zurück zum Geruch. Hier sind der Vorstellungskraft keine Grenzen gesetzt. Heute weiß man, dass der Mensch mindestens 10 000 Dinge riechen kann. Allerdings fällt es dem Gehirn manchmal schwer, ein Bild dazu zu erzeugen, was genau es gerade da riecht. Dann liegt es einem auf der Zunge und man kennt den Geruch ganz genau, aber kommt einfach nicht drauf was es ist. Das lässt sich jedoch trainieren. Also: Was riechst du? Was sagt dir dein erster Eindruck? Denkst du an Gemüse? An Früchte? Ist es süßliches Obst wie Banane oder doch eher ein saurer knackiger Apfel? Auch Assoziationen wie Kreide oder nasser Stein sind keine Seltenheit – diese lassen Rückschlüsse auf den Boden zu, auf dem die Reben gewachsen sind. Weine, die im Holzfass gereift sind, haben zudem oft eine vanillige oder schokoladige Note, welches deine Nase ebenfalls feststellen kann.

 

Weinverkostungsschritt #03.1: Schmecken

Weinverkostung: Die Zunge hilft bei der Einschätzung der Süße, Säure und Salzigkeit des Weins

Nachdem du dir also nun einen ersten Eindruck von Farbe und Geruch gemacht hast, bist du nun bereit für den ersten Schluck. Nippe einmal am Glas und bewege den Wein bewusst einige Sekunden in deinem Mund umher, sodass er sich über Zunge, Gaumen und Backen ausbreiten kann. Verglichen mit der großen Geruchsvielfalt ist das Geschmacksportfolio des Menschen jedoch begrenzt. Wir schmecken genau sechs verschiedene Richtungen: salzig, süß, sauer, bitter, fett und umami. Für Wein sind allerdings nur Süße, Säure und Salzigkeit von Relevanz. Während der Zusammenhang von Wein mit Süße und Säure wohl einfacher nachzuvollziehen ist, könnte die Vorstellung von Salz im Wein hier wohl einige Fragezeichen in den lesenden Gesichtern hervorrufen. Dieser Begriff taucht oft in Verbindung mit der Mineralität eines Weines auf und bedeutet, dass man prinzipiell nicht nur riechen, sondern auch schmecken kann, auf welchem Boden eine Rebe gewachsen ist. Wächst eine Rebe auf Schieerboden heran, so wird der Wein salzig wahrgenommen, allerdings bedarf es hier einiger Erfahrung und einen trainierten Gaumen. Wie süß ein Wein schmeckt, hängt mit dem Restzuckergehalt zusammen und dieser ist in jedem Wein anders vorhanden. Säure schmeckt man vor allem an der Seite der Zunge. Sie regt die Speichelproduktion an und ist oft mit einer eher negativen Bedeutung behaftet, weshalb der Weinkenner von heute eine starke Säurenote gerne mit Worten wie „herb“ umschreibt. Und nun kommt das faszinierende an der ganzen Sache. Jeder, der sich mit Schnupfen auf sein Lieblingsgericht gefreut hat, dem ist die Lust spätestens nach dem ersten Bissen vergangen. Dann schmeckt eine saftige Grapefruit nur noch bitter und Thai-Gericht Nr.43 mit extra viel Sojasauce einfach nur salzig. Fehlt die Nase, fehlen die Geruchsnoten – also das, was wir fälschlicherweise meinen, wenn wir von Geschmack sprechen. Denn eigentlich kommen diese durch dieselben Aromen zu Stande, die wir auch durch die Nase aufnehmen. Beim Verzehr von Lebensmitteln wandern sie jedoch zusätzlich über den Mundraum hoch zu den Geruchsrezeptoren in der Nase, was im Übrigen auch der Grund dafür ist, wieso professionelle Spürnasen immer schlürfen, wenn sie einen Wein probieren, denn dies beschleunigt den Prozess. Geschmack und Geruch hängen also unmittelbar miteinander zusammen und wer eine Erkältung hat, der sollte dann auch die Weinverkostung verschieben.

 

Weinverkostungsschritt #03.2: Fühlen

Das Fühlen läuft in gewisser Maßen gleichzeitig mit dem Schmecken – also süß, sauer –  und der Entstehung der Geschmacksnoten – also Aromen die durch den Mund zu den Geschmacksrezeptoren gelangen – ab. Wer im ersten Moment meint, dass Flüssigkeiten schwer zu erfühlen sind, der denke für einen Moment an einen Schluck Sekt, dessen Kohlensäure auf der Zunge prickelt. Darüber hinaus kann man auch das Gewicht eines Weines erfühlen. So wie Orangensaft sich anders als Wasser anfühlt, so unterscheiden sich auch Weine im Alkoholgehalt. Je alkoholischer, desto schwerer liegt er auf der Zunge. Einen Sonderfall bilden besonders süße Weine. Denn auch Zucker hat Auswirkungen auf das Gewicht, wodurch Dessertweine sich trotz niedrigem Alkoholgehalts sehr ölig anfühlen. Und zu guter Letzt sind da noch die Tannine. Diese sitzen vor allem in der Schale und im Kern der Traube und kommen besonders in roten Rebsorten vor. Mit dem bloßen Auge sind diese kleinen Teilchen natürlich nicht erkennbar. Dein Mundgefühl entlarvt Tannine allerdings sofort, denn sie sorgen dafür, dass sich dein Mund plötzlich trocken anfühlt und alles pelzig wird. Wie so vieles in der Weinwelt sind Tannine ein komplexes und sehr umfangreiches Thema, daher belassen wir es hier erstmal bei diesen Basics.

Man halte also fest: Weinverkostung bedeutet genießen mit (fast) alles Sinnen. Es ist ein Zusammenspiel aus Sehen, Hören, Schmecken und Fühlen. In kleinen Gruppen machen Verkostungen besonders viel Spaß, da so nach jedem Schluck gefachsimpelt werden kann. Und wenn das ein oder andere Gläschen komplett getrunken statt ausgespuckt wird, dann steht auch dem weiteren Abendverlauf nichts mehr im Wege 😉 #spürstduschon – In diesem Sinne: Cheers!

Lust auf eine eigene Weinprobe bekommen? Immer der Nase nach zum Spürnasen-Shop

Artikel von Spürnase Caro